
Antje Möldner (Foto: Gantenberg)
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[14.06.2005] Jung, ehrgeizig und nervenstark. Antje Möldner vereinigt all diese
Attribute. Die junge Dame vom SC Potsdam macht sich dieses Jahr auf, die deutsche Spitze über 1.500 Meter zu
erobern. Nach dem sechsten Platz bei den Hallen-Europameisterschaften in Madrid und nach der Verbesserung ihrer
persönlichen Bestzeit auf 4:08,81 Minuten vor zwei Wochen in Dessau, sind die Weichen gestellt. Gestellt und
ausgerichtet auf ihr großes Ziel: Erfurt. Bei der Europameisterschaft U23 (14. bis 17. Juli) will sie nach
Edelmetall greifen.
"Mein Vater, der selber Geher war, hat uns als Kinder zur Leichtathletik geschickt, damit wir nicht immer nur zu
Hause vor dem Fernseher sitzen", erinnert sich Antje Möldner heute an den Grund, der sie zum Laufen brachte.
Ein wahrer Glücksfall, wie sich bald herausstellen sollte, denn aus den beiden Stubenhockern Antje und ihrer
Zwillingsschwester Berit wurden im Laufe der Zeit wahre Mittelstreckenläuferinnen.
Während Berit aufgrund einer Fersenverletzung die Spikes seit einigen Jahren links liegen lässt, dreht Antje
Möldner erst richtig auf. Seit fünf Jahren trainiert sie nun unter Beate Conrad, die selber eine Hausmarke von
3:59,90 Minuten über 1.500 Meter vorweisen kann.
Im Sohn der Trainerin, dem deutschen Jugend-Hallenmeister über 800 Meter, Martin Conrad, hat Antje Möldner einen
zuverlässigen Trainingspartner gefunden. Zwar gehört auch die vielfache deutsche Meisterin Kathleen Friedrich
zur Trainingsgruppe, doch "wir trainieren nicht so häufig zusammen, da das Leistungsniveau noch zu verschieden
ist", lässt Antje Möldner Einblicke in den Potsdamer Trainingsalltag zu.
Der Traum von Peking
Ihr Leben ist der Sport. Zwölf Mal die Woche schlüpft sie in die Trainingssachen, schnürt die Laufschuhe und
macht sich auf den Weg ins Stadion. Egal, ob die Sonne vom Himmel strahlt oder es in Strömen regnet. Denn
Antje Möldner hat ein großes Ziel vor Augen, für das es sich zu kämpfen lohnt. Olympia 2008 in Peking - dieser
Traum thront als Fernziel über allem. Im DLV zählt sie zu den großen Hoffnungsträgern über die Mittelstrecke
und wurde als einzige 1.500-Meter-Läuferin in den Top-Team-Kader Peking berufen.
Auch die Ausbildung beim Bundesgrenzschutz passt perfekt in das Lebenskonzept der aufstrebenden Athletin. "Hier
habe ich alle Freiheiten, die ich zur Ausübung meines Sports brauche", weiß die 20-Jährige die Vorzüge dieser
Ausbildung zu schätzen. Hinzu kommt auch der positive Rückhalt aus der Familie. Ihre Eltern stehen hinter ihr,
akzeptieren den Weg, den ihre willensstarke Tochter eingeschlagen hat.
Zur Leistungssportlerin geboren
Doch es ist nicht nur das berufliche und familiäre Umfeld, das Antje Möldner trägt, das ihr genug Kraft und
Unterstützung auf dem Weg in die Weltspitze gibt. "Antje bringt von Natur aus alle Charaktereigenschaften mit,
die man sich von einer Athletin nur wünschen kann", lobt Beate Conrad ihren Schützling. "Ihre große Stärke ist,
dass sie im Wettkampf immer 150 Prozent gibt."
Das Gespann Conrad-Möldner verbindet eine besondere Trainerin-Athletin-Beziehung, pflegen sie doch eine fast
familiäre Freundschaft. Seit ihrer Jugend baut die heutige DLV-Disziplintrainerin ihre Athletin behutsam auf.
Der Erfolg gibt dem Duo Recht. 2003 konnte Antje Möldner schon als Sechste der Jugend-Europameisterschaft auf
sich aufmerksam machen.
Trainerin glaubt: "Antje kann das"
Der große Durchbruch gelang ihr jedoch im März diesen Jahres. Bei den Hallen-Europameisterschaften war sie der
Shootingstar im DLV-Team, als sie, allen Kritikern zum Trotz, über 1.500 Meter auf den sechsten Platz stürmte.
"Das war eine so tolle Atmosphäre, ein absolutes Gänsehaut-Erlebnis ", erinnert sich die 1,73 Meter große
Läuferin gerne zurück.
Vor zwei Wochen in Dessau machte sie dann dort weiter, wo sie in der Halle aufgehört hatte. In 4:08,81 Minuten
ließ sie die Konkurrenz auf der Zielgerade einfach stehen und pulverisierte ihre Bestzeit um mehr als sechs
Sekunden.
In Erfurt will sie nun nach einer Medaille greifen. "Dafür muss ich sicher im Bereich von 4:06 bis 4:08 Minuten
laufen", weiß sie und ihre Trainerin fügt hinzu: "Antje kann das". Und wenn Beate Conrad ganz tief in sich
hinein hört, dann weiß sie, auch Helsinki ist nicht ausgeschlossen, obwohl die WM-Norm von 4:05,80 Minuten
doch noch ein ganzen Stück entfernt scheint.
Soll schon erfüllt
"Ich traue Antje diese Zeit durchaus zu. Aber ich will sie nicht unter Druck setzten", macht Beate Conrad
deutlich. Mit der Zeit aus Dessau habe sie das Soll für 2005 schon erfüllt. Alle Zeiten, die jetzt noch kommen,
seien Zugabe. Man darf also gespannt sein, welche Performance die ehrgeizige Mittelstrecklerin noch auf die
Kunststoffbahnen in diesem Sommer zaubert, doch eins ist jetzt schon sicher: 150 Prozent sind es unter Garantie.
(an)
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