
Christina Schwanitz (Foto: Gantenberg)
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[24.06.2005]
Diese junge Frau sprüht nur so vor Willenskraft, Ehrgeiz und einer gehörigen Portion Talent. Christina Schwanitz, ein Name den man
sich merken sollte. Denn erst am vergangenen Wochenende drückte sie der DLV-Junioren-Gala in Mannheim mit 18,79 Metern im Kugelstoßen
ihren Stempel auf. Mit dieser Weite stieß sie nicht nur zum dritten Mal in diesem Jahr über die Norm für die Weltmeisterschaft in
Helsinki, sondern unterstrich auch eindrucksvoll, dass sie bei der Europameisterschaft U23 in Erfurt (14. bis 17. Juli) ganz vorne
mitmischen will und kann.
Dabei kam sie nur durch Zufall zur Leichtathletik. „Vor fünf Jahren hat mich mein damaliger Lehrer, nachdem wir in der Schule
Kugelstoßen durchgenommen haben, zu einem Wettkampf geschickt, den ich dann mit fünf Metern Vorsprung gewonnen habe“, erzählt
sie. Ein echter Glücksfall also und diesem Lehrer kann man heute noch dankbar sein, wenn man sich anschaut, wie weit es seine
ehemalige Schülerin mit der Kugel schon gebracht hat.
2001 folgte dann mit dem Umzug aus Dresden auch der Wechsel zum SV Neckarsulm, einem Verein, von dem die 19-Jährige in den höchsten
Tönen schwärmt: „Man unterstützt mich wo man nur kann.“ So kam es auch, dass man ihr nach dem Realschulabschluss im letzten Jahr
die Gelegenheit gab, ein Sportjahr einzulegen. Denn, da war auch den Verantwortlichen im Verein klar, wer mit zwei Mal Training in
der Woche an die 17-Meter-Marke ranstößt, der hat Talent, welches sich zu fördern lohnt. Christina Schwanitz enttäuschte die Erwartungen
nicht.
Trainingsumfang gesteigert
„Ich habe jetzt viel mehr Zeit für den Sport und konnte im Winter sechs Mal in der Woche trainieren“, erklärt sie die Steigerung ihrer
persönlichen Bestmarke von 16,85 Meter aus dem Jahr 2004 auf 18,84 Meter. „Vorher hatte ich immer noch die Schule im Hinterkopf. Jetzt
kann ich mein Leben dem Sport widmen“, sagt sie und man hört aus ihrer Stimme heraus, wie viel Spaß sie daran hat. „Das Tolle am
Kugelstoßen ist die Kombination aus Technik, Geschwindigkeit und einem klaren Kopf“, versucht sie ihre ganz persönliche Faszination
an der Wurfdisziplin in Worte zu fassen.
Die gebürtige Sächsin steht mit ganzem Herzen hinter dem, was sie tut. „Bevor ich abends ins Bett gehe, schaue ich mir immer noch
Bilderreihen von meinen letzten Wettkämpfen an und versuche zu verinnerlichen, was mein Trainer Peter Ogiolda an meiner Technik noch
zu kritisieren hat.“ Das Thema Kugelstoßen beschäftigt sie also rund um die Uhr. „Von nichts kommt nun mal nichts“, entgegnet sie
selbstbewusst und da ist sie wieder, diese Willenskraft, die es ganz deutlich macht: Aufgeben gibt es für Christina Schwanitz nicht.
Rückhalt aus der Familie
Und doch... „Es gab schon ab und an die ein oder andere Situation, in der ich am liebsten alles hingeworfen hätte.“ Aber in solchen
Momenten gibt es ja immer noch ihre Familie und ihren Freund, die hinter ihr stehen, sie aufbauen und ihr sagen, dass sie ihn
verwirklichen kann, ihren Traum von den Olympischen Spielen in Peking.
Die Werferin, die, außer mit Kugelstoßen, auch mal gerne Zeit auf dem Balkon zu Hause in dem 500-Seelen-Dörfchen Haberschlacht mit
einem Buch verbringt, sieht ihre Stärken in ihrer Zielstrebigkeit. „Außerdem kann ich, wenn es darauf ankommt, meinen inneren
Schweinehund besiegen“, erzählt sie und kann sich das Lachen nicht verkneifen. „Ich habe auch nicht immer Lust zum Training, aber
da muss man manchmal einfach durch.“
Aber mit einer Sache wird sie sich wohl nie anfreunden können: Laufen. „Das ist nun wirklich kein Hobby von mir, auch wenn ich weiß,
dass ein gewisses Maß an Ausdauer nicht schaden kann. Aber da bin ich eher faul, was vielleicht auch an meiner Disziplin liegt“,
bemerkt sie mit einem erfrischend lockeren Unterton.
Erfurt und dann Helsinki?
Christina Schwanitz kennt das Gefühl auf dem Treppchen zu stehen, durfte sie im letzten Jahr doch bei der Junioren-Weltmeisterschaft
in Grosseto (Italien) über Bronze jubeln. Unter Druck setzten lässt sie sich im Hinblick auf die EM-U23 trotzdem nicht. „Klar will ich
vorne mit dabei sein. Ein Platz unter den ersten Sechs wäre schön, aber ich will mich nicht festlegen, sondern denke nur von
Wettkampf zu Wettkampf.“ Nur zum Vergleich: bei der Europameisterschaft U23 2003 in Bydgozcz (Polen) ging Gold mit 17,66 Metern an
die Bulgarin Natalya Khoroneko.
Doch die junge Deutsche ist mit ihren 18,84 Metern, was zur Zeit Platz sechs der Weltjahresbestenliste bedeutet, nicht nur eine
heiße Kandidatin in Erfurt, sondern auch eine mögliche Weltmeisterschaftsteilnehmerin. „Klar wäre das super, aber ich gehe mal davon
aus, dass Astrid Kumbernuss sich noch steigert und ich somit als Vierte das Pech habe rauszufliegen. Aber man weiß ja nie“, zeigt sie
sich entspannt optimistisch.
Glaube an die eigenen Fähigkeiten
Auf ihre direkten Konkurrentinnen im Rennen um die begehrten drei Tickets nach Finnland wird sie am 2. Juli bei den Deutschen
Meisterschaften im Wattenscheider Lohrheidestadion treffen. „Und da wird gekämpft“, schickt die Powerfrau im blauen Dress des
SV Neckarsulm gleich eine Warnung an ihre Kontrahentinnen. Auch wenn Christina Schwanitz weiß: „Unter normalen Umständen müsste
ich Vierte werden, aber vielleicht habe ich ja Glück.“
„Ich weiß, ich habe Talent“, geht sie die Dinge selbstbewusst und offensiv an. „Wenn es in diesem Jahr noch nicht mit der WM klappt,
dann ist das auch nicht schlimm. Ich bin noch jung, habe noch viel Zeit und weiß, dass noch jede Menge Potenzial in mir steckt. Dann
fahre ich halt beim nächsten Mal mit“, motiviert sich die kontaktfreudige Athletin selber und ergänzt: „Wenn man etwas will, kann
man ganz viel erreichen und ich will!“
(an)
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