
Sabine Rumpf (Foto: Gantenberg)
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[29.04.2005] Sie gilt als eines der größten Nachwuchstalente des deutschen
Diskuswurfs. Acht Mal in der Woche steht Sabine Rumpf auf dem Platz im heimischen Selters (Taunus) und
lässt ihr Sportgerät fliegen. Aus gutem Grund, schließlich hat sie ein festes Ziel vor Augen - die
Leichtathletik Europameisterschaften U23 in Erfurt.
Wenn man es genau nimmt, so hatte sie eigentlich gar keine andere Wahl, als Leichtathletin zu werden. "Meine Eltern haben mich
schon im Buggy mit auf den Sportplatz genommen", erzählt die Athletin der LSG Goldener Grund. Und wie
jedes Kind, das mit der Leichtathletik anfängt, hat auch sie zunächst alles ausprobiert. "Doch im
Werfen war ich schon immer am besten." Besonders das Diskuswerfen hatte es ihr angetan und so stand
1998, nachdem sie Silber bei den Süddeutschen Meisterschaften gewonnen hatte, der Entschluss endgültig
fest: Sabine wird eine Werferin!
Eine gute Entscheidung, denn kaum ein Jahr später war die Freude im leichtathletik-begeisterten Hause
Rumpf groß. Sabine landete bei den Deutschen Jugend-Meisterschaften in Duisburg auf dem siebten Platz.
Ihr Schwager Martin Picogna übernahm nun das Training von Vater Hans-Jürgen und hat Sabine auch heute
noch unter seinen Fittichen.
Vierte in Kingston
Von da an ging es stetig berauf. Vorläufiger Höhepunkt: Die Junioren-Weltmeister- schaft in Kingston 2002.
Unter jamaikanischer Sonne wuchs die schnellkräftige Athletin über sich hinaus, überraschte alle und
sich selber mit dem vierten Platz und persönlicher Bestleistung. "Klar, man ärgert sich im Nachhinein,
dass es ‚nur' eine Blechmedaille ist, aber trotzdem war das ein tolles Erlebnis." Ein Jahr später wurde
sie bei den U23-Europameisterschaften im polnischen Bydgoszcz Siebte.
"Die Saison 2004 war einfach nur verkorkst", erzählt die Studentin und berichtet von einem Bänderriss,
der sie dazu zwang, beim Werfermeeting in Halle anstatt im Ring mit Krücken neben der Anlage zu
stehen. "Die Verletzung hat mich sechs Wochen zurückgeworfen", ärgert sich die ehrgeizige Werferin
noch heute.
Denn während sie an ihrem Fuß rumlaborierte, warfen die anderen fleißig weiter. "Dass ich bei den
Deutschen dann noch nicht vorne mitwerfen konnte, war klar." Doch Sabine Rumpf kam zurück und als
alle anderen schon im Urlaub waren, erzielte sie am 21. August in Arnstadt 58,05 Meter. Bestleistung.
Platz acht der U23-Bestenliste und die fünfbeste Weite, die eine deutsche Werferin 2004 erzielen
konnte.
In Kreis der Diskus-Familie aufgenommen
Selbstvertrauen konnte sie auch beim diesjährigen Europäischen Winterwurf-Cup im türkischen Mersin
tanken. Nicht nur, weil sie hier gegen die Olympiasiegerin im Diskuswurf, Natalya Sadova (Russland),
antreten durfte, sondern auch mit ihrem erfolgreichen sechsten Platz dokumentierte, dass mit ihr in
dieser Saison wieder zu rechnen ist. "Es war ein wirklich schöner Wettkampf. Ich fühlte mich in den
Kreis der großen Familie aufgenommen und habe gemerkt, dass die ‚Großen' gar nicht so weit weg sind",
schwärmt Sabine Rumpf.
Lob kommt auch vom DLV-Disziplintrainer Gert Böttcher, der Sabine Rumpf ein sehr hohes Ausgangsniveau
bescheinigt. "Sie hat sich im Bereich von 58 Metern stabilisiert und mit dieser Leistung ist man bei
U23-Europameisterschaften immer eine Medaillenkandidatin." Die Athletin selber stapelt mit Blick auf
Mitte Juli da eher tief. "In Erfurt kann alles passieren, aber zunächst muss ich erst mal die Quali
überstehen. Ich möchte gern unter die ersten Acht. Auf's Treppchen wäre natürlich ein Traum."
Studieren auf Sparflamme
Jedoch muss sie sich bei ihrem Leistungstand Fragen nach der Weltmeisterschaft, die Anfang August im
finnischen Helsinki stattfinden, gefallen lassen. Auch der Diskus- Bundestrainer der Männer, Jürgen Schult,
mit dessen Trainingsgruppe sie vor ihrem ersten Start am 8. Mai in Erding noch zehn Tage ins
Trainingslager nach Portugal fahren wird, sprach sie bereits auf diese Option an. Doch:
"Helsinki ist mir noch zu weit weg. Es wäre zwar toll, wenn es klappt, aber Erfurt hat
eindeutig Priorität."
Sie liebäugelt indes mit einem Start bei der Universiade, die vom 11. bis 21. August in Istanbul
(Türkei) ausgetragen wird, denn neben ihrem Trainingsalltag findet sie hin und wieder auch die Zeit
zum Studium. Allerdings läuft das Lehramtstudium für die Fächer Mathematik und Sport eher auf
Sparflamme, denn ganz klare Nummer eins in Sabines Leben ist der Sport. Unterstützung kommt aus der
Familie, denn ihre Eltern Rita und Hans-Jürgen waren ihre ersten Trainer und auch die beiden älteren
Schwestern sind der Leichtathletik eng verbunden, sind sie alle zusammen in einer Trainingsgruppe.
Keine Langeweile aufkommen lassen
Aber wer jetzt glaubt, dass Werfen der aufgeschlossenen 22-Jährigen reichen würde, der irrt. "Am Ende
des Jahres mache ich immer einen Siebenkampf. Und auch Stabhochsprung mache ich supergerne. Ein
bisschen Spaß muss schließlich auch sein. Es wird mir sonst auch zu langweilig."
"Meine größte Stärke ist meine Lockerheit", weiß Sabine Rumpf und auch Gert Böttcher ist sich sicher:
"Sie bringt die zielstrebige Einstellung und die körperlichen Voraussetzungen mit, um die Lücke, die
Franka Dietzsch eines Tages hinterlassen wird, zu schließen." (an)
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