
Nils Schumann (Foto: Kiefner)
|
[12.05.2005] Wenn Mitte Juli an vier Wettkampftagen im Erfurter Steigerwald-Stadion die U23-Europameister 2005 ermittelt werden,
erleben die Zuschauer mit Sicherheit viele Medaillengewinner der nächsten Olympischen Spiele 2008 in Peking und
der Weltmeisterschaften 2009 in Berlin - nur wissen weder Sportler noch Zuschauer, wer dies sein wird.
Die Gewissheit, dass viele kommende Leichtathletik-Topstars in Erfurt am Start sein werden, ergibt sich aus den
Ergebnislisten der bisherigen vier U23-Europameisterschaften. Dort stehen viele Namen von Athleten, die damals
nur Insider kannten, die aber in den folgenden Jahren den Durchbruch zur Weltspitze geschafft haben. Die U23-EM
war für sie eine wichtige Zwischenstation auf dem Weg zu den ganz großen Erfolgen bei Olympischen Spielen und
Weltmeisterschaften.
Ein Beispiel betrifft sogar einen Thüringer: Nils Schumann gewann 1999 den kontinentalen U23-Titel, ein Jahr
später wurde er in Sydney Olympiasieger. Auch andere Athleten, die heute zu den ganz Großen der Leichtathletik
zählen, haben zuhause eine Goldmedaille von U23-Europameisterschaften hängen. Dies gilt für die russische
Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa, die alle Wettkämpfe dominiert und den Weltrekord Zentimeterweise in die
Höhe schraubt, genauso wie für die schwedische Siebenkämpferin Carolina Klüft.
Um zu sehen, was aus Medaillengewinnern von U23-EM geworden ist, muss man gar nicht weit zurück schauen. Beim
Höhepunkt der Hallensaison 2005, den Hallen-Europameisterschaften in Madrid, waren sie gut vertreten: Die
schwedischen Schwestern Susanna und Jenny Kallur etwa belegten bei der letzten U23-EM im polnischen Bromberg
die Plätze eins und zwei - in Madrid war es genauso. Der neue europäische Sprintstar Roland Pognon aus Frankreich,
der den Hallen-Weltrekord egalisierte und im Sommer den karibischen Sprintern Paroli bieten will, siegte bei der
letzten U23-EM genauso wie die Olympiasiegerin von Athen im Gehen, Anastasia Tsoumeleka.
Die Mittelstreckenläufe über 800 und 1500 Meter sind anscheinend ein Bereich, in dem ein Erfolg bei
U23-Europameisterschaften fast schon Voraussetzung für spätere Erfolge ist. Juri Borsakowski (Russland) , der
800m-Olympiasieger, war 2001 U23-Europameister über 400 Meter. Iwan Heschko aus der Ukraine war zwar "nur"
Zweiter, ist inzwischen aber Hallen-Europameister und Olympia-Fünfter. Rui Silva aus Spanien, Olympia-Dritter
von Athen und einer der Stars auf der bei den Zuschauern beliebten 1500m-Strecke, war 1999 U23-Europameister.
In diesem Rennen holte Meehdi Baala aus Frankreich Bronze. Heute ist er Vize-Weltmeister, nachdem er bei der
WM 2003 in Paris nur knapp gegen Superstar Hicham El Guerrouj verloren hat. Die gleiche Strecke bei den Damen
gewann 1999 die Polin Lidia Chojecka - im letzten Winter die herausragende Läuferin der Hallen-Saison und
Hallen-Europameisterin.
Mit einer Bronzemedaille musste 2001 bei der U23-EM in Amsterdam noch der italienische Stabhochspringer Guiseppe
Gibilisco (hinter dem Sieger Lars Börgeling) zufrieden sein. Zwei Jahre später hatte er die anderen bereits
überflügelt und wurde überraschend Weltmeister. Bei Olympia in Athen fügte er noch die Bronzemedaille hinzu.
Ein anderer Sieger von Amsterdam war der Dreispringer Christian Olsson. Inzwischen ist der Schwede Weltmeister,
Olympiasieger, Jackpot-Gewinner und hat alles erreicht, was in der Leichtathletik zu gewinnen ist.
Etwas schwerer als die Läufer, Springer und Mehrkämpfer tun sich anscheinend die Werfer beim Übergang von
der U23-Nachwuchsklasse zu den Senioren. Weil die etablierten Werfer zumeist ihre Karriere erst beenden,
wenn sie auf die vierzig zugehen, haben jüngere Athleten es erheblich schwerer, in die Medaillenränge
vorzustoßen. Der dänische Kugelstoßer Joachim Olsen, der 1999 Zweiter der U23-EM war und bei den Olympischen
Spielen 2004 die Silbermedaille gewann, ist ein Beispiel dafür, dass es aber möglich ist.
(ev)
|